Stevie Ray Vaughan

Der kleine Bruder

Legends of Blues Rock

Im Rolling Stone Magazin wird er nur als 12. in der Rangliste der besten Gitarristen aller Zeiten geführt. Kann ich nicht verstehen. War er zu reproduktiv? Zu sehr Texas? Zu wenig innovativ? Zu einfach als Mensch? Gab er zu wenig Rätsel auf, weil er einfach nur spielte?

Ich schaue noch mal nach in der Liste. Ach, jetzt verstehe ich, es geht ja um die GRÖSSTEN Gitarristen aller Zeiten. Sorry, Stevie war wohl nur einssiebzig groß oder so. Klar, Jimmy Page ist da schon größer.

Aber im Ernst: bei mir kommt SRV gleich nach Jimi – manchmal aber auch noch vor ihm. Heute z.B., als ich sein Video auf der Loreley anno 1986 nochmal ansah, da war er ganz vorne, da hat er mich mal wieder umgehauen. Für mich ist es der Jimi-Hendrix-Effekt, der sofort ins Ohr, ins Auge, ins Herz trifft und Gänsehaut über die Seele laufen lässt.

Wie bei Jimi habe ich dann das Gefühl, dass es eine direkte Verbindung zwischen ihm und mir gibt. Ich muss allerdings zugeben, dass das erst von dem Zeitpunkt an merkte, als man von SRV endlich auch Videos in Deutschland sehen konnte (…danke MTV!). Ich fand zwar den weissen Fuchschwanz an seinem Hut affig. Dazu muss man aber wissen, dass er es zeitlebens schwer hatte, sich gegen seinen älteren Bruder Jimmy zu behaupten und durchzusetzen. Stevie hat sich immer allerhand einfallen lassen, um sich von ihm abzugrenzen. Da war der Hut mit dem Fuchsschweif gerade recht.

Stevie Ray Vaughan mit typischem Hut

Er legte ihn nur ab, wenn er wie Jimi Hendrix die Gitarre hinter den Kopf zog um ungebremst weiterzuspielen und seine Soli hinzulegen. Das war seine Verneigung vor Hendrix, den er sehr verehrte. Aber sein Bruder! Sieht man sich ein Interview der Beiden an, spricht immer nur der ältere, erklärt alles, weiss alles. Stevie wirkt wie ein kleiner Schuljunge neben ihm. Jimmy Vaughan hat auch stets darauf hingewiesen, dass Stevie alles von ihm gelernt hätte. Nach dem tragischen Helicopterabsturz 1990, bei dem SRV den Tod fand, war dann alles anders. Erst nach seinem Tod hat er ihn anerkannt und gewürdigt. Er sonnte sich zwar in seinem Ruhm, konnte aber seine Bewunderung für seinen kleinen Bruder endlich zeigen.

Jimmy Vaughan wurde übrigens bei den Fabulous Thunderbirds ständiger Gitarrist und tourte mit dem Sänger und heutigem Blues-Harpspieler Kim Wilson (auch auf der Loreley mit SRV dabei) jahrelang über den Erdball. Steht heute immer noch als Soloblueser auf der Bühne.

JRV fing an mit seiner Band „Double Trouble“ und schaffte relativ schnell den erhofften Erfolg. Er hatte sämtliche Stilarten des Blues drauf, konnte Jazz und Rocknroll mischen und auf der Bühne zur Explosion bringen.

Er spielte so druckvoll, dass man heute noch meint, man wird weggeblasen, obwohl man nur ein schlechtgedrehtes Video sieht.

„Pride and Joy“ hat eine solche Intensität, dass dir das Herz für einige Sekunden den Dienst verweigert und danach nur noch den vorgegebenen BPM folgt…

http://www.youtube.com/watch?v=NlQLy-CafsE

SRV Live in Austin, Texas 1983

SRV hatte in de 80ern dafür gesorgt, dass der Blues, der ja immer mal verschütt geht, wieder ganz nach oben kam. Stevie hat seine Wurzeln, den Blues nie vergessen und nährte sich aus ihm.

Stevie hatte, wie so viele aus dem Musikleben ein riesiges Problem, stand doch König Alkohol ständig neben ihm und wurde zu seinem würdelosen Begleiter. Man erzählt sich, dass er sich hinter der Bühne übergab, um den Teufel, dem er gerade wieder auf den Leim gegangen war, wieder los zu werden. SRV hat den Weg gefunden, sich aus seinem Würgegriff zu befreien und die Angst überwunden, die jeder Kreative hat: Werde ich ohne meinen Dope noch gut sein? SRV brachte seine erfolgreichste und vielleicht beste LP nach seinem Entzug: „In Step“ – ein Hinweis auf die verschiedenen Stufen des Entzugs.

Ob er allerdings durchgehalten hat, weiss ja niemand. Ich erinnere mich, dass die Fotografin Christel Schreck geschockt erzählte, als sie in Frankfurt backstage Janis Joplin fotografierte und sah, wie sie innerhalb kürzester Zeit eine Flasche „Southern Comfort“, einen Whikyliqueur, in sich hineinschüttete. Das war man ja durchaus gewohnt, und jeder weiss ja wie nahe die Künstler aller Couleur am Alk gebaut sind. Aber es war kurz nach ihrem TV-Auftritt, in dem sie versicherte, dass sie auf „no drogs and alcohol“ wäre. Wie wir wissen, starb sie ja an den beiden.

SRV - In Step

„In Step“ – ein Hinweis auf die verschiedenen „Stufen“ seiner Alk-Entziehung

Nun, SRV stürtzte im Heli ab, lass uns mal den Glauben, dass er weg war von der Scheisse. SRV ist Mitglied der Blues Hall of Fame und überlebt in meiner Seele. Pride and Joy.

 

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