St. Blues – die „heiligen“ Gitarren aus Memphis

Jimi Hendrix baute sie sich selbst – mit nur einer Saite und die war aus Gummi. Generationen von Bluesplayern nicht nur im Mississippi-Delta bauten sich solche Instrumente.

Lightnin’ Hopkins, Blind Willie Johnson und sogar Carl Perkins (Blue Suede Shoes) hatten mangels Masse zuerst auch keine Wahl: die Cigarbox-Gitarre hat eine lange Tradition und ist heute Kult für jeden Bluesplayer.

St-Blues Gitarre

Geht tatsächlich: mit nur 4 Saiten Blues auf der Zigarrenkiste spielen –
die St.Blues Cigarbox-Gitarre aus Memphis

Gewiss, es gibt einige Herstelle, die diese ausgerauchten Kisten zur Herstellung von Cigarboxguitars verwenden – aber wenn eine Firma wie St.Blues aus Memphis so was macht – das hat schon Stil.

Cigarbox-Gitarren haben eine lange Entwicklung hinter sich, die sie aber fast unbeschadet überstanden. Denn es werden immer noch originale Zigarrenkästen verwendet, nicht aus Nostalgie, sondern weil es sich so gehört für eine Echte! Bo Diddley hat sich sein Leben lang solche Dinger selbst gebaut, ließ sich von Gretsch 1958 die „Big B“ bauen, die heute immer noch aus fernöstlicher Produktion erhältlich ist – leider schon immer vollkommen ohne Zigarrenkistenholz. Er wollte mit der eckigen Form signalisieren, woher er kommt. Leider hat es niemand verstanden, weil die Cigarboxguitarre fast unbekannt war und ist.

Die erste ihrer Art war allerdings eine – Geige. Ein Soldat im Civil-War soll sie sich zum Vergessen der schrecklichen Ereignisse zusammengebastelt haben. Banjos und Gitarren folgten, mit unterschiedlicher Bespannung. So hat die St. Louis nur 4 Saiten und sollte im Open-G-Tuning gestimmt werden – es geht auch mit drei Saiten, ähnlich dem LUK-E-Bass. Je nach Vorliebe übernimmt man z.B. die Stimmung der oberen oder unteren Gitarrensaiten. Das Tuning der Saiten war ja auch oft abhängig vom Konstrukt und den gerade vorhandenen Saitenstärken. Auch sie waren nicht immer zur freien Auswahl und es musste verwendet werden, was da war.

Eines der Vorbilder von Keith Richards, der Rock, Country- und Bluesspieler James Burton, Sidemen von Ricky Nelson und später auch von Elvis, hat auf seine selbstgebaute Cigarboxgitarre Banjo-Saiten aufgezogen und später solche auch auf seiner Telecaster verwendet . Der Sound der Tele und des Solos bei Ricks „Hello Mary Lou“ zeugt von dieser Vorliebe zum „ding donge ding dong“ (die Deutsche Version wurde tatsächlich von Jan & Kjeld auf zwei Banjos eingespielt).

Zwischendrin unbedingt anschauen:

Saint Blues Delta Blues Box Guitar
Produced by Thorn Leonhardt, gespielt und vorgestellt von Artur Tadevosyan

In wirtschaftlich schweren Zeiten gab es immer ein Revival der günstigen Gelegenheiten. In den frühen 30er Jahren in USA besann man sich schon einmal auf diese Gitarrenform – vielleicht ein Hinweis, warum die St. Luis jetzt gerade kommt? Erschwinglich wäre sie schon mit umgerechnet ca. 250 EUR…

Leider ist die Lieferzeit unendlich lang. Was ja verständlich ist. Die Zigarren müssen ja alle erstmal geraucht werden. Und das dauert halt. 🙂

Doch hier kommt der Trost:

Den Blues im Blut

Andreas Doerfler – Cigarbox- und Bluesgitarrenbauer,
Bluesmusiker und Lebenskünstler aus Deutschland.

Cigarbox-Gitarre

Sein Motto: Meine Terrasse, ein guter Whiskey, eine Zigarre und der Blues kann kommen.

 

Ei, mer glaubts ja net – da lebt mitten unter uns, na ja eigentlich in Bayern, noch genauer in der Oberpfalz, in Ammerthal, ein Typ, der nicht nur den Blues hat, Blues-Musik macht und sondern auch noch Bluesgitarren selbst herstellt. Und zwar vom Feinsten.

 

 

 

 

 

Jetzt schaut euch das erstmal an, was dieser Bursche zaubert.

Alles von ihm gebaute Einzelstücke.

Alles nur ein kleiner Auszug aus seinem Schaffen

Genug geschwelgt, jetzt die harten Fakten 🙂

1971 geboren, begann seine musikalische Kariere im zarten Alter von 5 Jahren mit einer Blockflöte, die dann 3 Jahre später gegen eine Mundharmonika ausgetauscht wurde (immer noch weit vom Blues entfernt). Den ersten Unterricht auf diesem Instrument hatte er bei meinem Großvater. Mit 15 Jahren erwischte ihn dann der Blues so heftig, dass er seitdem von dieser Droge nicht mehr loskam.

Ja, der Blues lebt auch in Deutschland. In seinen unzähligen Bands (z.B. Ed Food Blues Band, Jailhouse, Blue Haze, Waterfalls änd Fränz…) konnte er den Blues schmecken. Unter anderem im Vorprogramm namhafter Bluesmusiker wie: Blues Company, Al Jones, Bernard Alison, Anna Popovic, Marla Glenn, Lake, oder auch als Begleitband des Altmeisters Lousiana Red, der sich ja, ähnlich Champion Jack Duree,  dauerhaft in Deutschland aufhielt.

Luisiana Red

Andi zusammen mit Lousiana Red auf der Bühne – hier mit der Harp!

Über seine Leidenschaft, die Cigarbox-Guitarren (und nicht nur diese!) selbst zu bauen, mein er lapidar:

„Keine Ahnung wie es dazu kam, aber irgendwann hatte ich die Nase voll von völlig überteuerten Hochglanzinstrumenten die ich mir sowieso nicht leisten kann. Durch das Buch „The Blues“ von Bill Wyman kam ich das erste mal mit Cigarboxguitars in Berührung. Sie berührten mich sogar so sehr, daß ich anfing selbst welche zu bauen. Meine Ausbildung als Handwerksmeister war also doch noch für was gut.“

Bluesgitarrist und Gitarrenbauer Andy Dörfler

Der Meister bei der Arbeit … und live mit Zigarrenkiste auf der Bühne.

Schon erstaunlich, was der Blues in Deutschland so hervorbringt. Aber vielleicht sind wir ja schon internationaler als wir denken. Selbst eine Firma wie Fender aus Californien hat seiner Deutschland-Abteilung freie Hand gegeben, Modelle zu entwickeln, um sie hier bei uns für den Weltmarkt zu testen.

Vielleicht finden die beiden ja mal zusammen? Aber das will der Andy ja gar nicht. Wir finden eigentlich auch, das wäre wie Perlen vor die Säue geworfen – oder? 🙂

Genug gestaunt über den Andy? Ums kurz zu machen: wer Interesse an solchen Teilen hat, oder sich einfach weiter informieren will, kann sich einfach bei ihm melden:

doerfler.andi@t-online.de

Danke, Andi!

 

 

Comments

  1. Und immer noch aktuell – danke für diesen Beitrag! Bin so zu meiner „Old Spur Line“ gekommen 🙂 Phantastisches Instrument! Und Spitzentyp, der Andi.

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